Game of Thrones Staffel 7

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Man sollte diesen Artikel wirklich nur Lesen, wenn man die siebte Staffel Game of Thrones gesehen hat. Das ganze stellt meine Meinung dar und soll zur Diskussion anregen. Game of Thrones ist und bleibt eine sehr gute bis geniale Serie und auch ich hatte meinen Spaß mit der vorletzten Staffel. Das Problem ist einfach das sich Schnitzer geleistet werden, die es hätte nicht geben müssen. Und das macht mich traurig, aber nun erstmal stopp, denn

hier herrscht eine:

-> Spoilerwarnung!

Ich muss mit diesem Artikel meinen Frust ablassen. Meinen Frust darüber, dass eine der besten Serien aller Zeiten, die auf einer der besten Buchreihen aller Zeiten basiert, nur noch mittelmäßig bis gut ist. Das ganze ist natürlich nur meine eigene Meinung und stellt KEINE Review der Staffel dar. Es sind einfach Punkte, die mich persönlich stören und die ich aufs Papier bringen möchte.

Das trifft mich mehr als es sollte, denn auch wenn ich die Bücher immer präferieren werde, bekomme ich langsam doch Angst, dass G.R.R.M. die Bücher zu Lebzeiten nicht mehr fertig stellen wird. Die Serie, nachdem sie in der sechsten Staffel noch mehr Input von Martin hatte, hat nun den Pfad der Ungewissheit betreten. Die Schreiber der Serie machen ihr komplett eigenes Ding und haben von Martin nur noch die „Roadpoints“ erhalten und nicht mehr die komplette Route. Das merkt man in dieser Staffel zu jeder Sekunde und vor allem merkt man leider, dass die Schreiber der Serie es nicht schaffen die einzelnen Fäden der Serie gut aufzugreifen. Die siebte Staffel fühlt sich zu jeder Sekunde klein, manchmal unlogisch und nach einem Stückwerk an. Das wir uns aber am Ende nicht falsch verstehen. Ich habe Spaß mit der Serie und was in der Staffel passiert ist auch wirklich mal episch und mal großartig, doch das WIE es passiert ist leider sehr oft an den Haaren herbeigezogen. Der schreckliche und wirklich furchtbare Winterfell Plot ist da das perfekte Einstiegsbeispiel.

Wir erleben Bran in der sechsten Staffel als, zwar gezeichneten, aber durchaus noch menschlichen Bran, der die Fähigkeiten des dreiäugigen Raben hat. Anfang der siebten Staffel ist plötzlich alle Menschlichkeit aus Bran entschwunden und er bezeichnet sich nicht mehr als Bran. Kein schöner Anschluss und bereits ein kleines Problem. Als Bran jedoch auf Sansa trifft hat er mehrere Möglichkeiten. Er könnte seiner Schwester sagen, dass ihr Bastard Bruder eigentlich nicht ihr Bruder ist und ein Targaryen Bastard. Er könnte ihr sagen, dass Arya noch lebt, das Kleinfinger ein Spiel mit ihr spielt und damals ihren Vater verraten hat (WICHTIG!). Was sagt er ihr stattdessen? Bran sagt seiner Schwester Sansa, dass sie schön aussah in der Nacht als sie vergewaltigt wurde. Das kann man ruhig einmal sacken lassen.
Weiter geht die Misere als Arya in Winterfell ankommt beziehungsweise noch eine Szene vorher. Kleinfinger schenkt Bran den Dolch mit dem Bran ermordet werden sollte. Diese Szene löste den Krieg der Könige, sowie den Konflikt der Starks und der Lannister aus. Und angeheuert wurde der Mörder damals von Kleinfinger selbst. Auch hier hat Bran wieder die Chance die Situation mit seinem Wissen zu klären. Was macht er? Er wiederholt einen Satz, den Kleinfinger vor x-Staffeln einmal losgelassen hat. Und da dachten wir Bran wäre ab sofort nützlich.
Dann kommt Arya an und auch hier könnte Bran nun mit vereinten Kräften der Familie gegen Kleinfinger agieren. Er macht es nicht. Man wird die Folgen über im Unklaren gelassen ob die Mädchen nun WIRKLICH so dumm sind und auf die Ränkespiele von Kleinfinger eingehen. In der letzten Folge stellt sich dann heraus: Oh, es war nur eine Falle, die Arya und Sansa Kleinfinger gestellt hatten. Was ist das für eine Falle? Wenn sie es früher wussten, hätten sie es früher tun können. Wenn sie es nicht früher wussten, hätte Bran etwa sagen können. Warum wurde etwas, was in zwei Szenen aufgelöst werden könnte, über die komplette Staffel gezogen? Warum wurde etwas, was sich dadurch unendlich langgezogen anfühlt nicht gekürzt um die Szenen zu bereichern, die gehetzt und überstürzt wirken?
Hier wieder der Punkt: Das die Mädchen zusammen arbeiten, das Bran ihnen mit Infos hilft und das letztlich Kleinfinger durch den Dolch stirbt, mit dem er Bran hatte ermorden lassen wollen, das sind alles coole Ereignisse im Kontext der Serie und der Bücher. Wie es aber dazu kommt wirkt stümperhaft geschrieben.

Damit wäre die schlimmste Storyline abgehandelt. Die anderen haben alle ihre Probleme und keine der einzelnen Stränge wird wirklich fehlerfrei zu Ende erzählt, doch so störend wie in Winterfell ist das alles nicht. Das größte Problem der siebten Staffel ist der große Unterschied zur Erzählweise der sechs anderen Staffeln. Was früher mal gut und gerne eine halbe Staffel gedauert hat, wird nun innerhalb von einer Folge manchmal drei mal erledigt. Dadurch wirkt die Welt kleiner, die Zeitspanne in der eine Folge spielt wird unklarer und im Allgemeinen verliert man das Gefühl für die Welt und die Handlung. Beispiel? In der sechsten Folge geht Jon mit einer Expedition aus einigen „wichtigen“ Charakteren (dazu später mehr) hinter die Mauer um einen Toten einzufangen um ihn Cersei zu präsentieren (eieiei). Dabei wandern sie eine gewisse Zeit (vermutlich Tage) und geraten dann in einen Hinterhalt. Gendry, der in dieser Folge zu Jon gestoßen ist muss zurück zur Mauer rennen, da er „der schnellste“ der Gruppe ist (woher weiß Jon das eigentlich?). Währenddessen werden die Überlebenden von den Toten auf einen gefrorenen See getrieben. Der See bricht ein und trennt die Gruppe von der Armee der Toten. Gendry rennt also zur Mauer und soll einen Raben zu Daenerys schicken.Cut. Gendry kommt an. Cut. Raben kommen bei Daenerys an. Cut. See ist wieder zugefroren. Cut Daenerys kommt am Ort des Geschehens an. Das alles passiert innerhalb von Minuten und lässt die Fragen zu: Wie lange war die Gruppe jetzt dort? Wie schnell sind die Raben tausende Kilometer geflogen? Wo war die Gruppe eigentlich hinter der Mauer? Wenn Gendry zur Mauer im Sprint rennen konnte warum dauert es dann eigentlich noch mehrere Wochen bis die Toten an der Mauer ankommen? Das fühlt sich nicht organisch an und wirft einen aus der Welt, die in den letzten Staffeln aufgebaut wurde.

Zu diesen Problemen gesellen sich Plot-Holes und Charaktere mit einer sogenannten „Plot-Armor“. Das bedeutet die Charaktere sind zu wichtig für den weiteren um zu sterben und das sie deshalb in unlogischer Art und Weise dem Tod von der Schippe springen. Beispiele? Jaime fällt nach der ersten Schlacht gegen den Drachen in voller Rüstung zusammen mit Bronn in den Fluss (der übrigens so Tief wie manches Meer ist und das 2m vom Ufer entfernt. Auch nicht gerade sinnig.). Jaime hat eine Hand aus Gold und ist in voller Rüstung und wird darauf hin in der ersten Szene der nächsten Folge etwa 200-300m vom Schlachtgeschehen entfernt, einhändig (!) von Bronn aus dem Wasser gezogen und überlebt. Wie kann Bronn einen Mann in voller Rüstung und mit einer Hand aus Gold so einfach aus dem Wasser ziehen? Wie konnten sie so weit schwimmen/tauchen? Wieso wurden sie nicht gefangen genommen, da beobachtet wurde wie sie ins Wasser fielen?(Da kommen wir wieder später drauf zurück)
Nächstes Beispiel ist relativ ähnlich, aber auf einer Ebene sogar noch etwas unlogischer. Jon Snow fällt im Norden in voller Montur (also Rüstung und Fellmantel etc.) ins Wasser eines gefrorenen Sees und auch Jon Snow schafft es ganz leicht wieder hoch zu schwimmen. Und wieder macht es keinerlei Sinn und reißt mich aus der Szene raus. Ach und das Jon daraufhin von seinem Onkel Benjen gerettet wird und diese Szene innerhalb von 30 Sekunden abläuft macht das Ganze auch eher schlimmer. Immerhin reitet der nasse und halb erfrorene Jon dann noch durch den Winter die unbekannte Strecke zur Mauer. Jeder andere, nicht Hauptcharakter wäre tot, Jon und Jaime leben aufgrund ihrer Plot-Armor weiter. Das machen weder andere Serien noch Filme anders und doch fällt es innerhalb dieser Staffel so sehr auf, wie bisher noch nie zuvor in Game of Thrones. Das mag am schwächeren Writing liegen, daran das die Vorlage fehlt, man könnte es aber auch auf das völlig überhastete Pacing schieben.

Und wenn wir wieder bei diesem Punkt sind, kommen wir doch einmal zu meinem nächsten Beispiel. Wir, als Zuschauer, bekommen suggeriert, dass die Flotte der Graufreuds, die Königsmund angreifen sollen, und die Flotte der Unbefleckten, die Casterlystein angreifen sollen, zeitgleich losreisen. So weit so gut, die Flotte der Unbefleckten hat einen weiteren Weg vor sich und so kommt es, dass die eiserne Flotte, die Flotte der Graufreuds abfangen und sie vernichtend schlagen kann. Die eiserne Flotte, angeführt von Euron Graufreud, macht sich daraufhin auf den Weg nach Königsmund und lässt sich dort feiern. Auf der anderen Seite des Kontinents erreichen die Unbefleckten Casterlystein und nehmen den Ort innerhalb einer Nacht ein und werden dann von der eisernen Flotte überrascht. Wie kann die eiserne Flotte schon an diesem Ort sein?

Meine letzte Beobachtungen stützen sich auf Vermutungen. Es ist ja bestätigt, dass die Macher nur noch die wichtigsten Punkte der Handlung kennen und den Weg dahin selbst ermitteln müssen. Sagen wir mal, die Macher kannten den Punkt der Handlung, das Tyrion mit Jaime die Friedensverhandlungen auslöst und das Gendry noch wichtig wird. Es wäre schlauer und angenehmer für die Handlung gewesen, wenn Jaime in der Schlacht gefangen genommen worden wäre und daraufhin zu seiner Schwerste geschickt wird. Aber dann hätte der Plot keine Möglichkeit gehabt Gendry vor der Expedition hinter die Mauer (Warum musste er dahin eigentlich nochmal mit? Ach ja, er ist ja der Schnellste) zu rekrutieren. Also wurde ein dämlicher Plan entwickelt und Tyrion wird innerhalb von drei Szenen nach Königsmund hin und wieder zurück verfrachtet. Dummes Pacing, keinen Raum für den Dialog von Tyrion und Jaime und kein nachvollziehbarer Plan.
Schlimmer wird das nur bei den Szenen hinter der Mauer und den daraus resultierenden Friedensverhandlungen. Und hier dann wieder mein Punkt: Das was passiert (Mauer fällt, Drache für den Nightking, Friedensverhandlungen mit allen Parteien an einem Ort) ist grandios und großartig. Der Weg dahin aber holprig und viel zu steinig.

Und abschließend noch etwas. Wie können die Macher einer Serie, die durch langsame Erzählweise und intelligentes Writing, bekannt wurde, plötzlich zu dem Schluss kommen, dass sein Publikum zu dumm oder zu unaufmerksam ist? Warum muss es in jeder Folge einen großen Knall geben? Warum bekommen wir dauernd Andeutungen, was Jons wahres Schicksal ist nur um es am Ende noch einmal zusammenfassend vorgekaut zu bekommen?
Und warum war GRRM nicht schneller mit den Büchern? Dann hätte es diesen Abwärtstrend in der Qualität vermutlich (wir wissen ja auch gar nicht ob Martin die selben Fehler machen wird) nicht gegeben.

Die Staffel hat meine Hoffnung auf ein würdiges Finale der Serie im Verlauf der Staffel komplett zerstört. Das Finale machte mich dann aber wieder etwas versönlicher. Für die achte Staffel bleiben momentan zum Glück nur drei große Handlungsbogen übrig. Das könnte von Vorteil sein und doch macht es mir sorgen, dass nur noch sechs Folgen kommen werden. Wird die letzte Staffel also genauso? Schnell, überhastet, manchmal dumm und unlogisch? Ich hoffe es nicht. Ich hoffe einfach das Beste.

Und am Ende noch an euch: Ging es euch ähnlich? Wollt ihr mir widersprechen? Schreibt mir gerne eure Meinung zur siebten Staffel von Game of Thrones, denn ich denke man merkt, dass hier Redebedarf herrscht.

 

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9 Gedanken zu “Game of Thrones Staffel 7

  1. lensen

    Über so manche Twitterdiskussionen weißt du ja schon, dass ich genau deiner Meinung bin. Und du nennst auch schon die richtigen Beispiele. Ich möchte nur noch erwähnen, dass gerade die letzte Folge gezeigt hat, wie man die ganzen Probleme zumindest hätte eindämmen können. Wenn die Staffel nur sieben Folgen hat, dann sollten die Folgen doch auch einfach länger sein um manche Zwischenschritte noch zu zeigen um so extreme Sprünge von Zeit und Ort besser erklärbar zu machen. Zeig einfach in einer kleinen Szene wie Euron mit seinen Schiffen segelt um zu sehen das er auf dem Weg da oder dahin ist. Zeig mir eine Szene in der Arya, Sansa und Bran miteinander sprechen und der Plot wäre zumindest nicht völlig dumm gewesen. So könnte ich noch weitermachen. Aber ich denke mein Punkt wird klar.

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  2. tentmastajay

    Ich habe deinen Text gelesen mit dem Vorhaben zu protestieren, aber der Text ist sehr gelungen und bietet keine Angriffsfläche. Ich bekomme überall mit wie unzufrieden die Leute sind, für mich war es aber trotzdem ein großes TV-Ereigniss und ich war nicht halb so enttäuscht wie von Staffel 5 (die für mich die mit Abstand schwächste Staffel ist). Jetzt habe ich deinen Text gelesen und alles was Du sagst macht Sinn und es sind durchaus noch mehr Plot-Holes untergebracht. Ich freue mich einfach zu sehr über die von Dir erwähnten Eckpunkt, auf die wir alle schon so lange gewartet haben, als das mich die ganzen Fehler runterziehen würden. Das ist aber mein persönliches Empfinden. Wie gesagt, deiner Ausführung ist absolut richtig und sie hat mir auch die Enttäuschung etwas näher gebracht. Dennoch bin ich von dieser Staffel nicht so enttäuscht sondern leide schon wieder weil ich jetzt ein bis zwei Jahre warten muss, bis ich all die tollen Charaktere in dieser tollen Welt wiedersehen kann.

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  3. Ich habe das Finale noch nicht gesehen und werde es auch in den kommenden Tagen wohl nicht schauen, deshalb hab ich davon nicht viel Ahnung, aber in den Sachen die du hier nennst stimme ich dir zu, wenn sie mich auch nur bei genauerer Betrachtung stören. Was bedeutet: Beim Anschauen der einzelnen Folgen ist mir das nicht mal groß aufgefallen. Dass der Winterfell-Plot für mich als großer Baelish-Fan (ja ich weiß was jeder jetzt denkt) absoluter Müll war, bleibt mal dahin gestellt. Wie kann man einen so ausgefuchsten Charakter so dumm drauf gehen lassen? Naja, sei’s drum. Für mich wirkte es als müssten die Macher Abstriche machen um alles in ihre „begrenzte“ Folgen-Anzahl reinzupacken. Kleine Welt, kurze Reiserouten, man könnte fast meinen sie könnten sich wie Buch-Varys wohl über die Karte beamen aber dafür waren die meisten Dialoge toll geschrieben, vor allem beim Drachenstein-Plot. Da kam wieder ein Hauch vom „politischen Aspekt“ von GoT rauf, der Aspekt der mich neben Drachen, Untoten etc. immer am meisten gepackt hatte und seit Staffel 4 und dem Ende von Joffrey irgendwie auf der Strecke geblieben ist. Naja, mal sehen was noch kommt. Game of Thrones wird wohl trotzdem immer eine der besten Serien dadraußen bleiben.

    P.S. Deine Angst mit den Büchern teile ich übrigens auch. G.R.R.M. BITTE SCHREIB.

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    1. reumeier

      Stimmt. Das hätte ich noch dazu packen sollen. Beim ersten Sehen ging es wirklich. Aber je mehr ich nachdachte und je öfter ich es gesehen hatte (immer noch einmal mit Kumpel oder der Freundin) desto schlimmer wurden die Probleme

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  4. Im Grundtenor geb ich dir Recht, aber….

    Zum Winterfell-Plot:
    Das Bran gewisse Dinge nicht verät, hat glaube ich seinen Sinn. Das John ein Targaryen-Bastard sei, wäre hinderlich für John. Einen Stark-Bastard können die Nordmnschen als König akzeptieren. Einen Targaryen-Bastard, der durch eine vermeintliche Vergewaltigung einer „entführten“ Stark, was u.a. Grund für die Rebellion war, wäre schon sehr viel schwerer. Zumal Kleinfinger dann Intrigen für die „Absetzung“ schmieden könnte. Außerdem würde das die gesamte Helden-Geschichte um Ned Stark ankratzen, die aber für die Naordmenschen und vor allem Sansa und Arya wichtig ist.
    Kleine Anmerkung: John ist kein Bastard, da er nach der Annulierung Rhaegars Ehe mit Elia Martell und der folgenden Hochzeit mit Lyanna Stark als Kind einer „ordentlichen“ Ehe geboren wurde.
    Das Bran Sansa von ihrer Vergewaltigung erzählt (zugegeben sehr ungeschickt) ist wichtig für die Glaubwürdigkeit seiner Fahigkeiten, da nur 3 Leute anwesend waren, wovon er keinen anderen getroffen haben kann.
    Es gab keine „habtischen“ Beweise gegen Kleinfinger, der immer noch Lord des grünen Tals ist. Daher die Falle.
    Zu Brans „verteidigung“: Er weiß zwar theoretisch alles, aber muss wie am Beispiel von Lyannas heimlicher Heirat schon (un-)bewusst in eine Richtung denken, sonst sieht er wahrscheinlich auch nicht alles.
    Ich hasse Bran und fand dieses Plot wie du unerträglich.

    Zu Gendry:
    Er ist der letzte lebende „Erbe“ von Robert und daher nicht unwichtig. Da er im Gegensatz zu den anderen kein „guter“ Kämpfer ist und der Jüngste, wird er wahrscheinlich ausgewählt. Und weil er der schnellste ist. 😉

    Zu Jaime&John im Wasser:
    Wenn du ca. 30-50kg für seine Rüstung und Hand berechnest und für ihn 80-90kg, biste ungefähr bei 110-140kg. Im Wasser – wenn ich mich nicht ganz irre – „verliert“ man ca. 10%, d.h. 10-15kg. Und 100-125kg wird Bronn schon !im Wasser! schon gezogen bekommen.
    Gleiches gilt bei John. Kurzzeitig wird er sich durch das ganze Adrenalin schon noch kurz über Wasser halten können. Benjen wird durch seine Verwandlung auch ein Stück weit in Richtung Nightking, den er wahrscheinlich so oder so im Auge behält, „gezogen“ werden. Ja es ist keine brillante Szene, aber er geht auch nur darum, John und Benjen sich wiederbegegnen zu lassen.

    Zu Euron und den Stein:
    Er wird einfach mit seinem Flackschiff (und einem kleinen Teil seiner Flotte) nach Königsmund gesegelt sein, während der Hauptteil in Richtung Stein unterwegs war.
    Der Stein war einfach so gut wie nicht bemannt und die Armee kam ja durch das Kanalisationssystem (fast) überall hin bevor wer was gerafft hatte.

    Zum Pacing und Buch-vs.-Serie:
    Das war mE der Hauptgrund für die verkürzten Staffeln sein wird, sind die Kosten. Mitterweile bekommen die Schauspieler*innen EXTREM viel Geld und auch der ganze technische Kram (insbesonder durch die vielen Drachen/Toten/Effekte) wird kein billiger Spaß sein. Ich denke einfach, dass HBO da auch die Kosten drücken will.
    GRRM wird wahrscheinlich einfach für die sehr detalierte und komplexe Handlungen im Buch auch gewisse Zeit benötigen Um diese „perfekt“ zu schreiben. Dazu kommt, dass er ja auch ständig auf irgendwelchen Messen und Events ist. War er nicht auch noch krank?

    Grundsätzlich ist deine Kritik aber richtig. Ich finde zwar, dass o.g. Details teilweise weniger „schlimm“ sind, aber allein die Tatsache, dass vieles eben nicht oder kaum erklät wird, spricht Bände.

    Beste Grüße

    Janis
    Der Prinz der Narren

    Gefällt 1 Person

    1. reumeier

      Erst einmal danke für deine Erläuterungen 🙂 Ist natürlich alles korrekt, das muss ich zugeben. Nur Bran wusste zu dem Winterfell Zeitpunkt noch nicht, das Jon kein Bastard ist 🙂

      Gefällt mir

  5. Tja … darüber hatte ich ja auch schon ein, zwei Worte verloren. Also auf die Gefahr hin, mich in einigen Punkten zu wiederholen:

    Ich sehe Deine Punkte, teile einige davon nicht und bewerte sie vor allem deutlich weniger schwer.

    Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass mein Schwerpunkt schon seit längerem auf dem Genuss der Serie liegt. Bei den Büchern bin ich nach zwei drei Bänden ausgestiegen (so genau weiß ich das gar nicht mehr, ist schon lange her und in der ersten Übersetzung hatte man die Bücher ja zweigeteilt). Ich fand sie sehr gut, fand seinen Stil aber irgendwann zu anstrengend.

    Trotzdem finde ich durchaus auch, dass man der Serie den Zeitpunkt anmerkt, an dem sie die Buchvorlage überholt hat. Schon in der 5. Staffel hat man sich in immer mehr Punkten von der Romanhandlung entfernt und ab der 6. – so mein Eindruck – machten sich die Autoren langsam ans Abarbeiten der losen Enden, um irgendwann mal den Endpunkt erreichen zu können, den GRRM ihnen in seinen geheimen Notizen vorgegeben hat.
    Ohne die beiden grandiosen letzten Folgen (Hodor und die Schlacht der Bastarde) hätte ich schon die 6. Staffel eher mau und überraschungsarm gefunden. Das radikale Ende des Spatzen-Themas hat mich auch nur deshalb so gefreut, da mir die Jungs mächtig auf den Zeiger gegangen sind.

    Die Aufgabe des Abarbeitens steht dabei GRRM in den Büchern im Übrigen genauso bevor. Er wird dieselben Probleme haben, wie die Serienautoren, da die Geschichte einfach arg verzettelt ist und irgendwann halt mal zu einem narrative Regeln erfüllenden Ende kommen muss. Auch wenn er als Buchautor etwas nicht ganz so vielen Zwängen unterworfen ist, wie die Macher einer TV-Serie.

    Denn wie hier schon gesagt wurde: Die Produktion einer solchen Serie kostet ne ganze Menge Geld. Allein deswegen muss man damit irgendwann auch mal zu Potte kommen – davon, dass die Schauspieler auch nicht jünger werden, ganz zu schweigen. Darüber hinaus muss sich dieses Format meiner Meinung nach auch noch etwas strenger an erzählerische Regeln halten, um erfolgreich zu bleiben, als ein Roman es müsste.

    Zum Winterfell-Plot: Den fand ich gar nicht so schlimm. War vielleicht nicht der beste – aber es war ja auch mehr eine Nebenhandlung. Und Bran hat sich nun mal verändert. Das mag einem missfallen – ist aber die Entscheidung der Autoren und kein handwerklicher Fehler. Oder weißt Du, wie schnell sich eine Transformation zum dreiäugigen Raben realistischerweise vollzieht?

    Spannung durch das Vorenthalten von Informationen zu erzeugen ist natürlich immer ein billiger Kniff – angesichts der knappen Ressourcen aber legitim. Zu welchem Zeitpunkt die Stark-Kinder also wirklich zusammengearbeitet haben, wissen wir schlicht nicht.

    Was den zeitlichen Ablauf angeht: Ich bin gut damit klargekommen nicht davon auszugehen, dass Szenen, die hintereinander dargestellt werden, irgendwie gleichzeitig oder in direktem Anschluss zueinander geschehen. Das Erzähltempo ist erhöht und das Gefühl für die Größe des Landes geht verloren – aber irgendwann müssen wir wie gesagt ja auch mal zu Potte kommen. Im übrigen hatte mich schon Stannis‘ plötzliches Auftauchen an der Mauer damals etwas erstaunt – seitdem nehme ich die Seefahrten zwischen solchen Szenen einfach als gegeben an.

    „Plot-Armor“ … Naja …
    Ja, wir haben jetzt langsam das Personal für das Finale zusammen und das muss jetzt auch bis zum Schluss am Leben bleiben. Ob dann wirklich noch solche Pseudo-Cliffhanger wie bei Jamie und Jon Not tun, sei dahingestellt – aber langsam hat sich das „hier ist kein Hauptcharakter sicher“ ja auch mal totgelaufen. Jamies „tiefes Versinken“ hatte daher für mich auch eher symbolischen Charakter und sollte mehr verdeutlichen, wie es sich für ihn selbst anfühlt. Und dass Jon da wieder rauskommt, war mir auch zu jedem Zeitpunkt klar – wobei ich eher an den zweiten Drachen gedacht hatte.

    Wie auch immer. Ich glaube jedenfalls nicht, dass das Finale „zerstört“ wurde.

    Die Serie macht mir zumindest ungebrochen Spaß – schwenkt nun aber halt langsam mal auf die Zielgerade ein. Es ist einfach das Wesen eines Endes langer komplexer Epen, dass es viele Leute enttäuschen wird.

    Macht man es „realistisch“ und lässt sowohl Cersei als auch Daenerys scheitern – und am Ende jemand bislang unbekannten oder unbedeutenden auf dem Thron sitzen, meckern die einen. Railroaded man im Endspurt nach narrativen Regeln auf ein befriedigendes aber erwartbares Ende zu und lässt „die Guten“ letztendlich gewinnen, meckern die anderen.

    Ich freue mich auf jeden Fall wie Bolle auf die abschließende Staffel.

    Gefällt 1 Person

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