Wonder Woman Film Review

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Diana ist das einzige Kind auf Themyscira, der Paradiesinsel der Amazonen und muss deshalb in ihrem Leben viele Hürden überwinden. Auf Themyscira geht es um Macht, Stärke und Kampf und auch Diana ist dem nicht abgeneigt. Ihre Mutter Hippolyta versucht zwar mit aller Macht ihre Tochter aus diesem Kreis fernzuhalten, doch die Tante von Diana unterrichtet sie im Kampf. Sie wird schnell eine der fähigsten und begabtesten Amazonen die die Insel je gesehen hat. Als ein britischer Pilot names Steve Trevor auf der Insel eine Bruchlandung hinlegt, bringt er den, abseits der abgeschotteten Paradiesinsel, tobenden ersten Weltkrieg mit sich mit. Diana wittert in dem allumfassenden und scheinbar nicht enden wollenden Krieg das Wirken des Kriegsgottes Ares und lässt ihre Heimat hinter sich um an der Seite von Steve in den Krieg zu ziehen um ihn zu beenden. Doch Diana muss feststellen, dass es nicht so einfach ist den Krieg zu beenden, denn scheinbar liegt dieser auch in einer gewissen Weise in der Natur des Menschen.

Schon in Batman v Superman, der bei Kritikern und dem Publikum nicht gerade gut weggekommen ist, war Wonder Woman der heimliche Star im Ensemble. Gal Gadot ist die perfekte Wahl für die Rolle der Amazone, sieht aus wie die moderne Comic-Vorlage und spielt die Rolle ebenso perfekt. Da ist es umso schöner zu sehen, dass nun auch ihr Solo-Film das, nicht ganz so heimliche, Highlight im DCCU geworden ist. Der Start in Themyscira (der gerne nochmal ein paar Minuten länger hätte gehen können), der Zwischenstopp in London (in der die Naivität und das kindliche Staunen von Wonder Woman das Highlight war) und die finalen Akte im Krieg. Und gerade diese finalen Akte im eigentlichen Krieg zeigen, dass der Film so viel richtig macht. Die Darstellung des Krieges ist angemessen düster und dreckig und auch wenn der Film im Vorfeld seine Humor Passagen hatte, wird der Film, nicht wie bei Marvel leider momentan üblich, nicht an unpassenden Stellen zwanghaft aufgelockert. Man lässt das Grauen des Krieges laufen und erst in ein oder auch zwei Szenen später erfolgt eine Auflockerung. So ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild, dass sowohl locker als auch tragisch ist. Dadurch ist Wonder Woman nicht nur seinen DCCU Kollegen, die entweder zu albern oder zu düster und schwermütig waren, mindestens einen Schritt voraus, sondern Wonder Woman steckt auch einige Filme beim direkten Konkurrenten, dem MCU, in die Tasche. Da ist es hilfreich, dass Wonder Woman ein gelungenes Drehbuch hat und auch wenn dem Film im finalen Akt etwas die Puste ausgeht (liegt hauptsächlich an der Technik, dazu komme ich noch), ist das Gesamtbild nicht weniger stimmig in meinen Augen. Der Film bietet alles, was man sich von der Figur Wonder Woman wünschen konnte und schafft es die eigentlich lächerliche Prämisse (Ein Kind aus Ton geformt, das Lasso der Wahrheit etc.) in ein stimmiges Gesamtkonzept zu bringen.

Der Film hat dabei seinen Kollegen noch einen weiteren Schritt voraus. Wonder Woman ist der erste moderne Superhelden-Kinofilm mit einer weiblichen Hauptdarstellerin. Doch auch das ist scheinbar ein zweischneidiges Schwert. Ich war in einer Wochenendvorstellung um 17 Uhr und der Kinosaal war gerademal und wenn überhaupt zur Hälfte gefüllt. Das mag aber an vielen Variablen liegen (schönes Wetter im Sommer zum Beispiel). Das Publikum selbst war überwiegend weiblich und der männliche Teil des Publikums hat sich leider lautstark daneben benommen. Sätze wie: “ Boah, gut das die so heiß ist sonst würde ich mir den Weiberstreifen nicht geben.“ oder „Ne Frau als Superheldin ist ja mal total unglaubwürdig.“ sind da leider keine Seltenheit und auch wenn man daran ableiten kann, wie wichtig der Streifen Wonder Woman letztlich ist, kann man leider auch sehen, dass viele immer noch ein relativ rückständiges Weltbild besitzen. Direkt in der Reihe hinter mir saßen aber auch ein paar jugendliche Mädchen (ich schätze im Alter 14-16) die sich sichtlich auf dem Film gefreut haben und auch am Schluss angemerkt haben wie froh sie sind, dass es auch Superhelden-Kino mit einer weiblichen Heldin als Leadcharakter gibt. Wonder Woman ist eben nicht nur gut, sondern auch wichtig.

Die Wahl der Schauspieler funktioniert in dem Film perfekt. Die Nebenfiguren sind gelungen gecastet und funktionieren auch, doch gerade das Protagonisten Duo Gal Gadot und Chris Pine punkten mit ihrer Chemie und ihrem Schauspiel. Die Antagonisten fallen da leider etwas ab. General Ludendorf, gespielt von Danny Husten, ist herrlich böse und mehr eigentlich auch nicht (auch wenn er an einer Stelle fast zu einer Karikatur verkommt) und Dr. Poison, gespielt von Elena Anaya,  hätte eine interessante Figur werden können, doch dafür fehlte ihr leider der Raum um sich zu entfalten. Der Film wird also über weite Strecken getragen von Chris Pine und Gal Gadot und die machen das auch perfekt. Und das dieser Film auch zum Teil eine Liebesgeschichte bietet, ist der Vorlage geschuldet und wirkt deshalb auch in meinen Augen nicht störend. Leider war die finale Umsetzung der zu erwarteten Liebesszene leider über alle Maßen kitschig und fügte sich so nicht gut ins Gesamtbild des Filmes ein.

Der Soundtrack und der Look des Films gehören ebenso zu seinen größten Stärken. Der Film fängt auf der friedlichen und wunderschönen Paradiesinsel an (wo ich gerne noch mehr Zeit verbracht hätte) und endet im düsteren und dreckigen ersten Weltkrieg. Die Action ist gelungen inszeniert (auch wenn es ein paar „Slow-Mo-Shots“ weniger hätte geben können) und man spürt hinter jedem Schlag eine gewisse Wucht. Gegen Ende hin versemmelt der Film aber leider etwas seine bisherige Inszenierung und das Finale besticht leider eher durch schlechtes CGI. Das macht das Finale und damit den letzten Akt des Filmes leider etwas kaputt. Schwächen gibt es für mich auch in der deutschen Synchronarbeit. Besonders das Finale und das Voiceover des Antagonisten klingt leider blechern und ich bin mir nicht sicher ob mein Kino ein paar Soundbugs hatte, denn der Film, beziehungsweise seine Synchronisation, wechselte in den Gesprächen manchmal ein klein wenig die Tonqualität. Die Synchronisation fühlte sich nicht wirklich „natürlich“ an, sondern ich hatte eben das Gefühl, dass es sich nur um simple Voiceovers handelte.

reumeiers letzte Worte

Dc kann es doch. Wonder Woman ist ein wunderbarer Film und kombiniert die Stärken des MCU (Leichtigkeit, Unterhaltung, gelungene Figurenzeichnung) mit den Stärken des DCCU (düstere und brachiale Inszenierung) und wirft dabei die Schwächen von MCU (wenig spürbarer Ernst und keine Konsequenz) und dem DCCU (schwache Drehbücher und die schwächere Figurenzeichnung) über Bord. Heraus kommt zwar bei weitem kein perfekter Film, doch der beste Film im DCCU bisher und auch hinter den meisten Marvel Filmen muss sich Wonder Woman nicht verstecken. Wer bisher mit den DCCU Filmen schlechte Erfahrungen gemacht hat, kann nun ganz beruhigt sein, denn mit Wonder Woman ist der erste Film in dieser Reihe erschienen, der richtig gut ist. Zweifler und natürlich alle anderen können beruhigt ins Kino gehen und werden vermutlich nicht enttäuscht wieder rauskommen. Ich, als Comic-Liebhaber und Fan der Vorlage, bin zumindest komplett zufrieden gestellt. Nun freue ich mich tatsächlich ein kleines bisschen auf die Justice League und hoffe einfach, dass DC aus ihren Fehlern gelernt hat und nun auf die richtige Bahn geworfen wurde.

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