Liebe auf Iranisch

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Man könnte meinen, dass die iranische Jugend, nach der Machtübernahme von Hassan Rohani und dem von Westmächten unterzeichneten Abkommen zur Kontrolle des iranischen Atomprogramms, freier leben darf und selbstbestimmter durch das Land gehen darf. Dem ist aber nicht so. Das anonyme Reporter Paar unter dem Decknamen Jane Deuxard reisen seit Jahren illegal in den Iran um dort die Stimmen der unter 30-Jährigen aufzufangen und wiederzugeben. Dabei soll es aber nicht unbedingt um die Politik und die Religion des Landes gehen sondern um etwas ganz persönliches: die Liebe. Die jungen Leute des Landes versuchen sich nicht mehr gegen das Regime aufzulehnen und doch wandeln sie auf einem schmalen Grad gegen die Tradition zu verstoßen und daraufhin vom Regime und deren Handlangern gefangen genommen zu werden oder dem unterdrückten Leben. Im Iran ist eines sicher: Frau und Mann sind nicht gleichgestellt. Doch darunter leiden nicht nur die Frauen.

Der Comic beruht auf wahren Begebenheiten und die Autoren haben sich wortwörtlich in Lebensgefahr begeben um uns einen Einblick in eine Welt zu schenken, die für uns unverständlich und nicht greifbar ist. Und das was wir sehen ist tragisch und mitreißend. Ein Land in der die Jugend keine Selbstbestimmung hat und sich der Tradition und der älteren Generation unterordnen oder im schlimmsten Fall untergehen muss. Es ist eine knallharte Dokumentation und eben keine Fiktion und das macht den Comic nur umso packender. Die Tragik, dass sich Menschen wirklich in diesen Verhältnissen befinden macht jedoch auch betroffen und wer hier immer noch denkt, dass der Comic seichte Unterhaltung bietet, der befindet sich auf dem Holzweg. Ich bin den Autoren dankbar für den Einblick in ein Land, das sich den Blicken eigentlich verbergen möchte und bin in Gedanken bei denen, die sich nicht nach freiem Willen entfalten dürfen.

Die optische Aufarbeitung der real stattgefundenen Geschehnisse ist schlicht atemberaubend. Die Bildsprache ist beeindruckend und unterstützt die beschriebene Paranoia perfekt. Der detailarme Stil passt exakt auf die Geschehnisse und ab einem gewissen Punkt vergisst man das man hier eigentlich einen Comic liest. Der künstlerische Aspekt des Comics sticht hier vollkommen hervor und ein schöneres Hand-in-Hand gehen aus Erzählung und Geschichte habe ich schon lange nicht mehr erlebt und gesehen.

reumeiers letzte Worte

Liebe auf Iranisch ist fantastisch, interessant und herzzerreißend tragisch. Man kann den Comic nicht lesen ohne danach einen festen Klos im Hals zu haben. Man wird dankbar für das was man im eigenen Land und im eigenen Leben hat. Hier wird keine inszenierte und fiktive Geschichte erzählt. Der Comic ist ein knallharter Tatsachenbericht und ist zu 100% für alle zu empfehlen, die die Thematik interessiert.

Am Ende mus sich jedoch noch eine kleine Trigger-Warnung aussprechen, da der Comic relativ offen Themen wie Depression und Selbstmord bespricht. Wer mit solchen Themen verständlicherweise seine Probleme hat, sollte vielleicht einen Bogen um diesen Comic machen.

Zum Schluss noch ein riesen Dankeschön an die Jungs und Mädels von Splitter, die mir diesen Band als Rezensionsmuster zugesendet haben.

Allgemeine Angaben

Verlag: Splitter

Autor: Jane Deuxard

Zeichner: Deloupy

Preis: 19,80 €

Seiten: 136

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2 Gedanken zu “Liebe auf Iranisch

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