„Bat-Mite“ #BatmanWoche Gastbeitrag: Steffen Universum

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Und der nächste Gastbeitrag zur Batman Woche handelt von Bat-Mite. Den kennt ihr nicht? Dann lasst euch doch von Steffen Universum mehr darüber erzählen! Wenn der gute Mann nicht gerade Gastbeiträge hier verfasst, Podcastet er als NerdNerdNerd, ein Podcast den ihr auch mal auschecken solltet.

Bat-Mite – Eine Geschichte voller Missverständnisse

Batman gehört zu den geschichtsträchtigsten Superhelden unserer Zeit. Neben Superman, Wonder Woman und Captain America gehört er zu den Figuren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Superhelden-Comic-Genre begründeten und es bis heute immer noch stark prägen. Doch die Wahrnehmung des Dunklen Ritters hat sich seit seinem ersten Auftritt stark gewandelt. Batman ist mit der Zeit gewachsen und vielleicht sogar erwachsen geworden. Jede Inkarnation, ob nun gut oder schlecht, spiegelte in etwa den Zeitgeist der jeweiligen Periode wider und hat der Figur etwas hinzugefügt. Sei es der knallbunte TV-Batman der 1960er Jahre, Frank Millers und Tim Burtons düstere Interpretation der 1980er oder Nolans Modernisierung in den 2000ern. Dennoch vergisst oder verdrängt man in der Betrachtung dieser Figur oft ein bestimmtes Zeitalter, das selbst von versierten Comic-Fans gerne unter den Tisch gekehrt wird: das Silver Age.

Mitte der 1950er Jahre hatte der amerikanische Psychologe Frederic Wertham mit seinem Buch “Seduction of the Innocent” den Ruf des Comics nachhaltig beschädigt. Die damals gängigen Krimi- und Horror-Comics sollten für die Verrohung der Kinder verantwortlich sein und mit der anschließenden Bildung des Comics Code wurde die Veröffentlichung dieser beliebten Genres praktisch unmöglich. Man soll es kaum meinen, aber die Superhelden gehörten damals tatsächlich nicht unbedingt zu den Lieblingen der Leserschaft. Aber plötzlich sahen sich die Verlage gezwungen, zu ihren Wurzeln zurückzukehren. Neben einigen anderen war Batman zwar einer der Superhelden, die ohne Pause weiterveröffentlicht wurden. Mit den spannenden Krimigeschichten in der Gothamer Unterwelt war es aber erst mal vorbei. Andere Szenarien mussten her, neue Abenteuer, die befreit waren von Mord und Totschlag. Es wurde skurril.

Batmans Silver Age war geprägt von obskuren Science-Fiction-Geschichten. Batman wuchs auf 30 Meter an, verwandelte sich in einen Fischmenschen oder traf auf sein außerirdisches Alter Ego, den Batman von Zur-En-Arrh. Anfang der 1960er verwandelte sich der Dunkle Ritter sogar in ein Baby, was ihn aber auch nicht daran hinderte, weiterhin mit seinem Sidekick Robin gegen das Verbrechen zu kämpfen. Bereits 1959 aber wurde ein Charakter zur Batman Familie hinzugefügt, der bis heute an Skurrilität nicht zu überbieten ist.

Bat-Mite wurde von Bill Finger (dem eigentlichen Autoren hinter Batman und vieler seiner Co-Stars) und dem legendären Zeichner Sheldon Moldoff in Detective Comics #267 zum ersten Mal vorgestellt. Bat-Mite basierte auf der gleichen Grundidee, mit der der Superman Widersacher Mr. Mxyzptlk ziemlich genau 15 Jahre zuvor auf den Plan trat. Bat-Mite ist ein quasi allmächtiger Kobold aus einer anderen Dimension, aber da wo Mr. Mxyzptlk nur Unheil anrichtet möchte der beinahe wie Batman gekleidete aber nur kindsgroße Fanboy sein Idol nach Leibeskräften bei der Verbrechensbekämpfung unterstützen. Mit wenig Erfolg, wie sich sicher leicht erraten lässt, und so sind Batman und Robin heilfroh als Bat-Mite am Ende der etwas wirren Geschichte – in der Batman sogar droht, das Koboldwesen körperlich zu züchtigen – das Feld räumt. Bat-Mite besitzt magische Kräfte, die so stark sind, dass sie die Realität um sich herum verändern können. Und obwohl im nichts lieber wäre, sorgt er mit seinem Wunsch Batman zu unterstützen immer wieder für noch mehr Probleme.

In den Folgejahren trat Bat-Mite immer wieder auf. Oft sogar in Kombination mit Supermans eigenem überdimensionalen Kobold Mr. Mxyzptlk. Beide lagen in ständigem Clinch darüber, welcher nun der bessere Held sei, Batman oder Superman. Nicht selten legten sie bei ihrem Streit ganze Städte oder im Jahre 2000 sogar ganze Universen in Schutt und Asche. Und auch wenn das verrückte Silver Age irgendwann endete und Batmans Abenteuer mit dem Kreativteam aus Dennis O’Neil und Neal Adams wieder einen weitaus ernsteren Ton anschlugen, ist uns Bat-Mite bis heute erhalten geblieben.

Eine neue Hochphase erhielt die Figur in den 1990ern Jahren, in denen sich Alan Grant und Kevin O’Neill der Figur annahmen. Beide sind bekannt für ihren abstrusen und brutalen Stil. Schließlich zeichnet sich Grant für einige meiner liebsten Lobo-Geschichten und ein paar wenige auch für mich wirklich lesenwerte Batman-Abenteuer aus. Kev (wie er sich damals selbst noch nannte) O’Neill auf der anderen Seite ist durch seine Arbeit mit dem Comic-Zauberer Alan Moore und dessen “Liga der außergewöhnlichen Gentlemen” bestens bekannt. Was die beiden zunächst 1992 in “Legend of the Dark Mite” und 1995 in “Mite-Fall” mit Bat-Mite anstellen, ist an Genialität kaum zu übertreffen. Hauptfigur ist hier nicht der Batman-Fan-Kobold, sondern der drogensüchtige Arkham-Patient Bob Overdog. Dieser wird von Batman zu mysteriösen Mordfällen befragt und Overdog beteuert, mit diesen Vorfällen nichts zu tun zu haben. Zu Batman Verwunderung schiebt er diese auf eine koboldartige Kreatur, die er Bat-Mite tauft. Was in beiden Geschichten folgt sind psychedelisch überdrehte, überbrutale Szenen, die nicht nur Bob Overdog, sondern auch die Leserschaft hart an die Grezen des Ertragbaren führen. Fast schon möchte man den Kreativen unterstellen, eigentlich einen Anti-Drogen-PSA schaffen zu wollen, wäre dort nicht Bat-Mite. Bob Overdog wird vom bisher so niedlich und harmlos-naiven Kobold  bis zur ultimativen Groteske verzerrt, wird gar zu einem eigenen “Helden” namens Overbat. Overbat vereint alle Klischees typischer (Anti-)Helden der 1990er Jahre in sich. Er ist übermäßig muskulös, mit Stacheln übersät, hält eine Knarre in seinen viel zu kleinen Händen, sein Gesicht ist eine mit messerscharfen Zähnen besetzte Fratze. Overbat wirkt direkt aus einen Comic von Rob Liefeld entnommen und dadurch, dass Alan Grant eben auch als Lobo-Autor bekannt ist, kann man ihm schon eine gewisse Selbstironie attestieren. Am Ende dieser beiden Geschichten bleibt nicht nur für Batman die Frage offen, ob Bat-Mite nun wirklich existiert oder nur eine Manifestation des von Drogen vernebelten Geists von Bob Overdog ist. Eine – wenn auch noch nicht ganz finale – Antwort darauf bietet erst ein erneutes Zusammentreffen mit Mr. Mxyzptlk, der Bat-Mite als sein Fledermaus-haftes Gegenstück aus der Gedankenwelt von Bob Overdog hervorholt.

Den für die damalige Kontinuität vor Flashpoint letzten Auftritt hatte Bat-Mite in Grant Morrisons umstrittenen Batman-Run. Das grobe Konzept dieses Runs war der Versuch, all die absurden Ereignisse des Silver Ages zu erklären. So ist Batman gar nicht ins All gereist, dieses Szenario wurde ihm mithilfe von Drogen nur vorgegaukelt. Allerdings trifft er erneut auf Bat-Mite, der in dieser Geschichte aber eine auffälliges neues optisches Merkmal besitzt. Kleine Tentakeln ragen von seinem Rücken ausgehend immer wieder ins Bild. Ein Mal wirkt es gar so, als würde eine andere Kreatur auf Bat-Mites Rücken sitzen und Batman verhohlen aus dem Augenwinkel beobachten. Etwas, das Fans zunächst verwirrte. Bat-Mite selbst erklärt es nicht, Morrison aber bot die Lösung: Diese Kreatur ist das eigentliche Aussehen für Wesen aus der 5. Dimension. Würden sie den Menschen so unter die Augen treten, würden diese ihren Verstand verlieren und wahnsinnig werden. Cthulhu ick hör dir trapsen. Und tatsächlich verliert Batman in dieser Storyline zunehmend den Verstand, was darin mündet, dass er sich gegen Ende ein knallbuntes Kostüm anzieht und sich selbst als Batman von Zurr-En-Arrh bezeichnet. Denn sowohl Bat-Mite als auch der Batman vom fremden Planeten sind nur Teile von Batmans gestörtem Geist. Wer allerdings glaubt, damit die Erklärung für Bat-Mite Existenz gefunden zu haben, der irrt. Denn Bat-Mite erklärt, dass die Welt der Vorstellungskraft die eigentliche 5. Dimension ist. Morrisons Run mag umstritten sein, seinen Umgang mit den absurden und lächerlich wirkenden Konzepten des Silver Ages halte ich persönlich aber für unübertroffen.

Das Besondere an den Bat-Mite Geschichten der letzten 60 Jahre ist die Tatsache, dass sie trotz zahlreicher Reboots und Relaunches des DC-Universums allesamt Kanon sind und miteinander in Verbindung stehen. Möchte man sie auch heute noch mal erleben, empfehle ich den US-Sammelband “World Funnest”, der erst vor wenigen Wochen erschien. Dieser startet zunächst mit der bereits angesprochene Geschichte aus dem Jahr 2000, in der Mxyzptlk und Bat-Mite das DC-Multiversum zerlegen. Daneben enthält der Band aber auch sämtliche wichtigen Geschichten der beiden Kobolde, angefangen vom ersten Auftritt, bis zu  Bat-Mites grotesteken Interpretationen der 1990er Jahre. Eine etwas dürftige Neuauflage hat die Figur erst im letzten Jahr erhalten, die in meinen Augen aber eher zeigen sollte, wie abwechslungsreich und “lustig” das DC-Universum auch heute noch sein kann. Den absurden Charme der Klassiker kann die neue Bat-Mite-Reihe leider nicht einfangen.

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